Kouji Okada und Yoshiki Okamoto sind große Namen in der Videospielbranchen. Vor allem Fans japanischer Games dürften diese Namen bekannt vorkommen. Denn die beiden sind unter anderem für Devil May Cry, Onimusha und Resident Evil verantwortlich. Kürzlich erschien ihr neuester Titel „Folklore“, eine Mischung aus Rollenspiel und Adventure, und wir haben uns auf eine fantasievolle und mystische Reise begeben und möchten in den folgenden Zeilen unseren Eindruck schildern.
In Folklore geht es um ein mysteriöses, irisches Dorf namens Doolin, das über ein Tor zur Unterwelt verfügt. Die junge Ellen macht sich auf die Suche danach, da sie einen Brief von ihrer längst verstorbenen Mutter erhalten hat. Der Journalist Keats hingegen besucht das Dorf, weil er dort eine Recherche durchführen muss. Und so beginnt eine wunderschöne, spannende Reise in eine geheimnisvolle Fantasiewelt.
Im Spiel selbst sind beide dieser eben genannten Charaktere spielbar. Eigentlich würde es logisch erscheinen, das Spiel mit jeweils einem dieser beiden durchspielen, aber aufgrund der Story ist es empfehlenswerter nach jedem abgeschlossenen Kapitel den Charakter zu wechseln und quasi das Spiel zwei Mal zu beenden. Denn ansonsten gehen dem Spieler so manche Hintergrundinformationen verloren, weil das Spiel mit jedem Charakter aus einer anderen Perspektive erzählt wird. Ganz gleich, für welchen Charakter man sich entscheidet, die Spielweise ist natürlich die gleiche. Man kann Folklore am besten als eine Mischung aus Adventure und Rollenspiel beschreiben. „Adventure“ weil man viel durch die Gegend rennen, Rätsel lösen und mit vielen Charakteren reden muss. Rollenspielelemente enthält Folklore aufgrund der so genannten Folks. Diese mysteriösen Monster leben nämlich in der Unterwelt und sind euch nicht gerade friedlich gesinnt. Um sie zu besiegen muss man selbst Folks fangen. Das erfolgt, indem man sie mithilfe des Sixaxis-Controllers zu sich heranzieht. Quasi als würde man an einem Seil ziehen. Insgesamt gibt es über 100 verschiedene Folks, die nicht nur alle über ein unterschiedliches Aussehen, sondern auch über unterschiedliche Fähigkeiten verfügen. Hier offenbaren sich die taktischen Elemente im Spiel, da ihr Eure Folks sorgfältig auswählen und über erhaltene Erfahrungspunkte aufleveln müsst. Leider ist Folklore nicht ganz frei von Fehlern. Zum einen ist das Spiel vor allem für erfahrene Spieler viel zu einfach. Nicht mal der Schluss, welchen man nach rund 20 Stunden erreichen dürfte, stellt eine große Herausforderung dar. Das wäre vielleicht anders wenn das Spiel nicht ganz so linear aufgebaut wäre. Sicherlich kann man darin aber auch einen Pluspunkt sehen. Schließlich ist somit ausgeschlossen, dass sich der Spieler verlaufen kann. Aber ein wenig mehr Freiheit und alternative Wege hätten dem Spiel wirklich gut getan.
Einer der herausragenden Stärken von Folklore ist die absolut geniale Technik. Man könnte glatt meinen, Tim Burton habe höchstpersönlich an diesem Spiel mitgearbeitet. Vieles erinnert an seine Filme. Das komplette Spiel wurde einfach herrlich surreal und fantasievoll gestaltet und man erkennt schon nach den ersten Spielsekunden die unglaubliche Liebe zum Detail. Es gibt wenige Spiele die so atmosphärisch sind wie Folklore. Vor allem, weil sich auch jedes Kapitel, also jede Spielwelt, optisch von den anderen unterscheidet. Außerdem sind die hundert verschiedenen Folks unheimlich abwechslungsreich gestaltet und zudem toll animiert. Auch die Licht- und Spezialeffekte sind sehr schöm gelungen, genau wie die detailreichen Spielorte. Zudem ist Folklore ein grandios inszeniertes Spiel, das vor allem den Zwischensequenzen zu verdanken ist. Es gibt sowohl normale, als auch comicartige Sequenzen. Letztere wirken wie aus einem Bilderbuch. Aufgrund der eher kleinen Zielgruppe war eine grottenschlechte Synchronisation zu befürchten. Doch dies ist hier ganz und gar nicht der Fall. Folklore ist nicht nur komplett in deutsch, nein, die Synchronsprecher können sich auch durchaus hören lassen. Allerdings wurde nur ein kleiner Teil des Spiels synchronisiert, die meiste Zeit muss der Spieler nämlich lesen. Der wunderschöne Soundtrack, welcher um die fünfzig verschiedenen Musiktitel umfasst, dürfte ein Grund dafür sein, dass darauf verzichtet wurde. Denn wenn man sich durch die teils langen Dialoge liest und im Hintergrund diese tolle Musik hört, wird einem ein unglaubliches Mittendrin-Gefühl vermittelt, wie man es nur selten in Videospielenerleben darf.
Fazit:
Die bisherigen Wertungen der Presse machten klar, dass Folklore ein Spiel ist, das polarisiert. Von extrem vernichtenden Kritiken bis hin zu Lobeshymnen, die bis in den Himmel reichen, ist hier wirklich alles dabei. Betrachtet man den Titel allerdings objektiv, was sich als wirklich schwer herausstellt, dann ist Folklore aber vor allem etwas ganz besonderes. Anders als bei den ganzen Renn-, Sport-, oder Shooterspielen kommt Folklore nämlich endlich mal mit wirklich Neuem daher. Vieles hat man bislang noch nie in einem Spiel gesehen und genau das sollte man dem Titel hoch anrechnen, genau wie die wunderschöne Inszenierung und allgemein grandiose Technik. Doch trotz dieses Lobes sollte sich wirklich jeder vor dem Kauf einen genauen Eindruck verschaffen, denn so schön dieses Spiel auch ist, es wird sicherlich nicht jedem gefallen.
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